Inez Bjørg David im Interview : Über Leihmutterschaft und Zwangsadoption

Bis heute gibt es keine seriöse Zahl der erfolgten Zwangsadoptionen in der früheren DDR. Opferverbände sprechen von 10.000 Kindern, wobei viele Kinder nicht mal etwas von ihrem Schicksal wissen. So etwa auch Paula, die im ZDF-Zweiteiler “Ein Sommer in Vietnam” von Schauspielerin

Inez Bjørg David, 36, verkörpert wird und erst in ihren 30ern erfährt, dass sie eine Zwillingsschwester hat. In Asien begibt sie sich auf die Suche nach ihrem Gegenstück. GALA traf die Dänin zum Interview, die auch im echten Leben ihr Herkunftsland verlassen hat. 

GALA: 2001 waren Sie 19 Jahre alt, als Sie sich entschlossen hatten, Ihrer dänischen Heimat den Rücken zu kehren und nach Berlin zu gehen. Wie haben Sie die deutsche Hauptstadt damals wahrgenommen?
Inez Bjørg David: Mit 16 war ich das erste Mal als Schülerin in Berlin und ich fand die Stadt damals schon total spannend. Im Vergleich zu meiner Heimatstadt Kopenhagen ist Berlin riesig und als Schülerin hat mich das komplett umgehauen. Deswegen wollte ich nach meinem Abitur auch unbedingt zurück. Ich erinnere mich, dass mich die Bürokratie und die ganzen Behördengänge anfangs echt überfordert haben. Ständig habe ich etwas falsch gemacht, weil ich es einfach nicht wusste und als Reaktion kam mir dann die typische Berliner Schnauze entgegen. Die hat mich manchmal echt eingeschüchtert, aber heute kann ich nicht mehr ohne sie.

Wie hat man in Dänemark die Wiedervereinigung erlebt?
Ich war ungefähr 10 Jahre alt, als die Mauer fiel. Als Kind war es zuvor ein total absurder Gedanke, dass in unserem Nachbarland quasi eine Wand stand und das Land teilte. Als in Dänemark dann bekannt wurde, dass die Mauer gefallen war, haben wir uns extrem für die Deutschen gefreut. Auf den Straßen wurde gefeiert und überall wurden Flaggen gehisst. Das Gefühl von endlich gewonnener Freiheit schwappte tatsächlich über die Landesgrenze und auch in meiner Heimat war das ein überragendes Gefühl.

Auch Ihre Filmrolle Paula ist von Deutschland nach Asien ausgewandert. Ein heftiger Kontrast. Was bedeutet Heimat für Sie?
Laut Duden ist es der Ort, wo man herkommt. Dann ist es natürlich Dänemark für mich, aber trotzdem fühle ich mich in Berlin absolut Zuhause. Man kann dort sein, wer man ist, die Stadt hat Geschichte und ist so vielfältig. Deswegen liebe ich sie als meine Wahlheimat. Für Paula ist der Kontrast natürlich noch viel extremer.

Eine Leihmutterschaft ist in Indien legal 

Paula (Inez Inez Bjørg David) verabschiedet sich von ihrer Nichte Lingh (Frances Burnett).

Paula (Inez Inez Bjørg David) verabschiedet sich von ihrer Nichte Lingh (Frances Burnett).

© ZDF // Christiane Pausch.

© ZDF // Christiane Pausch.

Apropos Geschichte: Ihr neuer Film “Ein Sommer in Vietnam” behandelt schwere Themen und befasst sich sowohl mit den Zwangsadoptionen in der ehemaligen DDR als auch mit dem Kinderhandel im asiatischen Raum. Wie sind Sie als zweifache Mutter mit dem Inhalt umgegangen?
Unabhängig davon, dass ich selber Mutter bin, berühren mich diese Schicksale als Mensch extrem. Im Film wird allerdings anhand eines alten Videos nacherzählt, wie meine Rolle mit ihrer Zwillingsschwester zu Zeiten der DDR von ihrer Mutter getrennt wurde. Hart wird es für mich erst, wenn wirklich Kinder am Set sind, die dieses Schicksal verkörpern sollen. Dann muss ich schon schlucken. Trotzdem finde ich solche Inhalte extrem wichtig, denn gerade die Zwangsadoption ist in vielen Ländern noch schreckliche Realität, die thematisiert werden muss.

Was schätzen Sie, wie viel ein Säugling aus diesen Ländern kostet?
Ich weiß, dass eine Leihmutterschaft in Indien ungefähr 20.000 Euro kostet, davon geht aber natürlich nur ein Bruchteil der Summe an die Frau, die das Kind tatsächlich austrägt. In den USA ist es sehr viel teurer, in Deutschland ist eine Leihmutterschaft verboten. Es ist dramatisch, aber in den betroffenen Ländern wie Indien kommen viele Faktoren zusammen. In China war es andererseits lange die Ein-Kind-Politik, die viele Eltern dazu brachte, ihre Töchter zur Adoption wegzugeben, weil Söhnen in der Gesellschaft ein höherer Wert zugesprochen wird. In Deutschland kann man sich das gar nicht vorstellen.

Auch privat kennt Inez Bjørg David Gewalt gegen Frauen

In Deutschland sind Sie Botschafterin für Frauen- und Mädchenrechte. Was ist Ihnen dabei eine Herzensangelegenheit?
Die Gewalt gegen Frauen. Laut Statistik erlebt in Deutschland eine von drei Frauen Gewalt durch einen Mann. Wenn ich mich in meinem Bekanntenkreis umsehe, kann ich das sofort unterschreiben. Dabei muss es sich nicht um sexuelle Gewalt, sondern auch psychische Gewalt handeln. Natürlich gibt es auch Jungs und Männer, die misshandelt worden sind, aber in 90 Prozent der Fälle sind es eben Frauen und diese Zahl sollte man weder relativieren noch ignorieren.

Welches Land bekommt von Ihnen den Vorbildstempel?
In Österreich werden zum Beispiel 80 Prozent der Vergewaltigungen tatsächlich angezeigt und meistens auch verurteilt, während in Deutschland nur ein Bruchteil der Fälle überhaupt ausgetragen werden. Das liegt an den fehlenden Strukturen, die den Frauen geboten werden: So mangelt es zum Beispiel an wirklich geschulten Sozialarbeitern, an denen sich die Opfer wenden können. Für eine Frau ist es eine unglaubliche Überwindung, gegenüber einem männlichen Polizeibeamten eine Vergewaltigung zu schildern und an dieser Stelle fällt es einfach an Fachkräften. Österreich ist sowohl Deutschland als auch Dänemark da einen weiten Schritt voraus. Es ist einfach wichtig, dass Themen aus der Grauzone, sei es jetzt Kinderhandel oder Vergewaltigung, regelmäßig thematisiert werden. 

Ausstrahlung: Sonntag, 16. September 2018, 20.15 Uhr / Sonntag, 23. September 2018, 20.15 Uhr im ZDF 

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